Die richtige Profiltiefe

Die richtige Profiltiefe bei einem Reifen – ganz gleich, ob Sommerreifen, Winterreifen oder Ganzjahresreifen – ist entscheidend für einen kurzen Bremsweg und einen sicheren Grip des Fahrzeugs. Auch die Gefahr von Aquaplaning (das Aufschwimmen des Reifens bei regennasser Fahrbahn) nimmt bei abgefahrenen Reifen deutlich zu. Wie das wichtige Sicherheitsmerkmal am Auto bestimmt wird und welche gesetzlichen Vorgaben mindestens erfüllt sein müssen, wird in unserem Artikel erläutert.

Von Robert Krippgans und Moritz Nolte

Mindestprofiltiefe: Das schreibt der Gesetzgeber vor

Damit ein Reifen auf den Straßen sicher unterwegs sein kann, ist eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vorgeschrieben. Das gilt sowohl für PKW- als auch für Motorradreifen. Bei Leichtkrafträdern (bis 125 ccm Hubraum) hingegen reicht auch 1 mm. Doch bereits vor dem Erreichen dieser 1,6 mm Mindetprofitiefe, sollte man über einen Reifenwechsel nachdenken. Führende Automobilclubs haben mit ihren Tests nachgewiesen, dass Sommerreifen bestenfalls mindestens noch 3 mm Profil und Winterreifen noch 4 mm Profil aufweisen sollten.

Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 mm ist im § 36 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) festgeschrieben. Dort heißt es: „[…] Luftreifen an Kraftfahrzeugen und Anhängern müssen am ganzen Umfang und auf der ganzen Breite der Lauffläche mit Profilrillen oder Einschnitten versehen sein. Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang eine Profiltiefe von mindestens 1,6 mm aufweisen; als Hauptprofil gelten dabei die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa 3/4 der Laufflächenbreite einnimmt. Jedoch genügt bei Fahrrädern mit Hilfsmotor, Kleinkrafträdern und Leichtkrafträdern eine Profiltiefe von mindestens 1 mm. […]“ Demnach beziehen sich diese Mindestanforderungen an die Profiltiefe auf 75 % der Laufflächen-Breite und auf den gesamten Reifenumfang.

Das Problem sind vor allem Nässe und Schnee

Was die wenigsten Autofahrer wissen: Im Trockenen haben abgefahrene Reifen tatsächlich meist mehr Grip bei Kurvenfahrten und bei Bremsmanövern als neue Reifen. Die mit zunehmender Abnutzung flacher werdenden Profilblöcke verformen sich bei Bremsungen und in Kurven weniger, die Aufstandsfläche bleibt stabiler. Und das sorgt für mehr Grip.

Das Fahrverhalten von in Grenzen abgefahrener Reifen im Trockenen ist also nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr die Performance bei Schnee und Nässe – und hier insbesondere die Leistungsfähigkeit der Reifen beim Bremsen.

Bei Unterschreiten der 3 mm Profiltiefe bei Sommerreifen und 4 mm Profiltiefe bei Winterreifen kann es auf regennasser oder gar schneeglatter Fahrbahn schnell zu einem kritischen Fahrverhalten des Fahrzeuges kommen. Das liegt daran, dass das Profil des Reifen dann nicht mehr genügend Wasser oder Schnee aufnehmen und verdrängen kann. Bei Nässe kann es dann zum gefährlichen Aufschwimmen des Fahrzeugs kommen: Bei dieser Aquaplaning genannten Situation schwimmen die Reifen auf der Wasserfläche auf, das Fahrzeug reagiert dann eine zeitlang nicht auf Lenk- oder Bremsbefehle.

Reifenprofil regelmäßig nachmessen

Bei einem Neureifen beträgt die Profiltiefe zwischen acht (neuer Sommerreifen) und neun (fabrikneuer Winterreifen) Millimeter. Doch im Laufe der Zeit nutzt sich das Reifenprofil durch die Belastungen während des Fahrens immer mehr ab. Wer hier nicht regelmäßig die richtige Profiltiefe ermittelt, läuft schnell Gefahr, die gesetzlichen Vorgaben zu unterschreiten. Dann drohen ein Bußgeld von 60 Euro (bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer: 75 Euro, bei einem Unfall: 90 Euro) und ein Punkt in Flensburg.

Die Reifenhersteller bauen in das Profil selber an sechs Stellen kleine Stege im Profilgrund der relevanten Rillen ein. Sie bezeichnet man als Verschleißindikatoren oder auch als Tread Wear Indicator (TWI). Wenn nun diese Stege ohne einen Absatz in das eigentliche Profil des Reifens übergehen, dann hat der Reifen die gesetzliche Mindestprofiltiefe bereits unterschritten.

Wer früher erkennen will, ob die richtige Profiltiefe noch vorhanden ist, der kann entweder zum Profiltiefenmesser aus dem Fachhandel oder von der Tankstelle greifen oder nutzt eine 1-Euro-Münze. Deren goldfarbener Rand ist genau drei Millimeter breit. Verschwindet der Rand der Münze komplett in der Mitte des Reifenprofils, dann kann man mit dem Sommerreifen bedenkenlos weiterfahren. Wer dieses Testergebnis genauso beim Winterreifen bekommt, sollte sich dann schon langsam mal Gedanken über neue Winter- oder Ganzjahresreifen machen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Profiltiefe mehrmals im Jahr kontrolliert wird, um unangenehme Überraschungen und kritische Situationen zu vermeiden.