Sind Ganzjahresreifen verboten?

Immer wieder erreichen uns viele Fragen, ob Ganzjahresreifen verboten sind oder nicht. Die Alleskönner für Sommer und Winter sind dabei aber echte Allrounder, die das Auto in alles Lagen sicher auf der Straße halten sollen. Wir beleuchten hier einmal ganz genau, was bei den Allwetterreifen erlaubt ist und was nicht.

Ganzjahresreifen-Profil

Allwetterreifen im Winter fahren?

Im Sommer mit Allwetterreifen unterwegs sein ist gar kein Problem, aber viele Autofahrer fragen sich sicher, ob denn die Ganzjahresreifen im Winter nicht doch verboten sind. Eine Frage, die auch immer wieder auftaucht ist, ob es denn rein rechtlich gesehen einen Unterschied zwischen Winterreifen und den Allround-Reifen gibt. Dafür müssen wir erst einmal die Ausgangslage genau klären. Anders als in anderen Ländern, in denen es in einem definierten Zeitraum (oftmals von Anfang November bis Ende März) eine feste Winterreifenpflicht gibt, ist die Situation in Deutschland etwas anders. Hierzulande gibt es lediglich eine situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet, dass man nur bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Glatteis, Reif- und Eisglätte, Schnee und Schneematsch unbedingt mit einer angemessenen Bereifung unterwegs sein muss. Es kann aber in unseren Breiten auch vorkommen, dass auch im Januar zehn Grad Celsius sind und die Straße trocken ist. Dann braucht es nicht dringend Winterreifen. Man sollte aber bedenken, dass das Wetter schnell umschlagen kann und dass dann unbedingt eine für die winterlichen Straßenverhältnisse angemessene Bereifung aufgezogen sein muss. Doch was ist nun eine angemessene Bereifung? Dazu zählen natürlich in erster Linie ordentliche Winterreifen mit ausreichend Profil. Aber eben auch Ganzjahresreifen, die beim Vorliegen einer entsprechenden Kennzeichnung, mit den Winterreifen gleichgesetzt werden und dann auch im Winter gefahren werden dürfen. Hierzu gibt es zwei Symbole, mit denen die Reifen genutzt werden dürfen:

  1. Nur Reifen, die das seit dem 01.01.2018 vorgeschriebene Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) tragen, sind laut § 36 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) für eine Fahrt bei winterlichen Straßenverhältnissen zugelassen. Im Gegensatz zur alten Bezeichnung M+S, bei dem keine einheitlichen winterlichen Prüfkriterien erforderlich waren, müssen beim Alpine-Symbol jetzt bei einem vergleichenden Bremstest auf Schnee Mindestqualitäten nachgewiesen werden.
  2. Eine Ausnahme bilden hier Reifen, die bis zum 31.12.2017 hergestellt wurden und noch das alte Symbol M+S tragen. Diese älteren Reifen dürfen übergangsweise noch bis einschließlich 30. September 2024 auch bei winterlichen Verhältnissen gefahren werden – eine Regelung, die sowohl für Winter- als auch für Ganzjahresreifen gilt. Das genaue Herstellungsdatum der Pneus findet sich in Form einer vierstelligen Zahlenkombination auf der Reifenflanke. Dabei stehen die ersten beiden Ziffern für die Herstellungswoche und die letzten beiden Ziffern für das Herstellungsjahr. Steht bei den Ziffern 3 und 4 also eine 17 für das Herstellungsjahr 2017, dann dürfen die Reifen mit M+S-Symbol auch noch bis zum 30.09.2024 im Winter gefahren werden.

Es gibt also kein Verbot für Ganzjahresreifen im Winterbetrieb. Man kann auch weiterhin mit den Allwetterreifen auf schneebedeckter Straße unterwegs sein und muss keinen Ärger mit Polizei und Versicherung fürchten. Zwingende Voraussetzung ist allerdings, dass der Reifen mit dem Alpine-Symbol versehen ist oder dass ein vor dem 31.12.2017 produzierter Allwetterreifen das M+S-Symbol auf der Reifenflanke trägt. Damit darf der Allround-Reifen bis zum 30.09.2024 dann auch bei winterlichen Straßenverhältnissen gefahren werden.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für das sichere Fahren mit Ganzjahresreifen im Winter ist die Profiltiefe. Sie liegt zwar von Rechtswegen her bei mindestens 1,6 Millimetern, aber aus Sicherheitsgründen ist natürlich eine größere Profiltiefe empfehlenswert. Bei Winterreifen wie auch bei im Winter gefahrenen Ganzjahresreifen sollten nach Ansicht von Experten mindestens noch vier Millimeter Profil auf dem Reifen sein, damit auch bei verschneiter Straße ein sicherer Grip gefunden werden kann. Dennoch kann ein Allwetterreifen, der ein Kompromiss zwischen Sommer – und Winterreifen darstellt, kaum solche Fahrleistungen bieten, wie ein Spezialreifen. Gerade auf Schnee oder bei glatter Fahrbahn wird das Fahrgefühl mit dem Ganzjahresreifen ein wenig schwammig, die Haftung ist etwas geringer und auch der Bremsweg verlängert sich. Und noch ein wichtiger Hinweis für Vielfahrer: Ganzjahresreifen werden das komplette Jahr über gefahren und verschleißen daher auch schneller als normale Sommer- und Winterreifen. Gerade deshalb ist es in dem Zuge auch sehr wichtig, öfter mal die Profiltiefe zu überprüfen und den Reifen auf mögliche Schäden zu untersuchen. Ganz allgemein gesagt sind Ganzjahresreifen eher für Autofahrer geeignet, die nicht allzu oft mit dem Auto fahren, die in einer eher schneearmen Region wohnen und die nicht gerade ständig in einem der Mittel- oder Hochgebirge unterwegs sind. In bergigen Regionen mit starken Steigungen und einer großen Menge an Schnee-Niederschlag wie beispielsweise die Alpenregionen in Bayern sind Winterreifen definitiv die bessere Wahl, auch wenn Ganzjahresreifen auch dort natürlich nicht verboten sind.

So sieht es im Ausland aus

Wie sieht es aber bei Urlaubsfahrten ins Ausland mit den Ganzjahresreifen aus? Dazu hat jedes Land seine eigene Regelung. In Österreich dürfen die Allwetterreifen von 01. November bis zum 15. April bei Schnee gefahren werden, wenn sie eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern aufweisen. Zudem müssen bei starken Schneefällen und bei Straßen mit einem starken Gefälle hier zusätzlich auch Schneeketten auf die Allwetterreifen aufgezogen werden. In der Schweiz sind Ganzjahresreifen auch nicht verboten, aber wenn man den Verkehr wegen einer unpassenden Bereifung behindert, droht ein Bußgeld. Ganz anders sieht es in Italien aus, denn hier gibt es regional sehr unterschiedliche Regelungen. Oftmals müssen vom 01. November bis zum 15. April Winterreifen aufgezogen werden. In Frankreich gibt es auch keine generelle Pflicht, allerdings müssen situationsabhängig entsprechende Winterreifen mit einer Mindestprofiltiefe von 3,5 mm gefahren werden.