Winterreifenpflicht in Deutschland

Wenn es draußen kälter wird und die ersten Flocken vom Himmel rieseln, dann ist es leider schon etwas zu spät, um die Winterreifen auf das Auto aufzuziehen, denn seit 2010 gilt die situative Winterreifenpflicht in Deutschland. Ist die Straße also erst mit einer geschlossenen Schneedecke bedeckt oder herrscht Eisglätte, dann müssen unbedingt Winterreifen auf dem Fahrzeug aufgezogen sein. Welche Reifen erlaubt sind, welche Strafen bei Nichtbeachtung drohen und viele weitere wichtige Infos gibt es in unserem Beitrag.

Winterreifenpflicht: Das sagt das Gesetz

Mit dem am 04. Dezember 2010 in Kraft getretenen § 2 Abs. 3a StVO wird die Winterreifenpflicht in Deutschland klar geregelt. Diese gilt zwar nicht, im Gegensatz zu anderen Länder, generell für einen bestimmten Zeitraum, aber der Fahrer muss seine Bereifung der jeweiligen Situation auf der Straße anpassen. Hierzulande gibt es somit eine situative Winterreifenpflicht. Das Auto muss also, sobald Schnee-, Eis- oder Reifglätte herrscht, unbedingt mit Winterreifen ausgestattet sein. Ist ein Autofahrer dann dennoch mit Sommerreifen unterwegs, riskiert er ein Bußgeld von mindestens 60 Euro sowie einem Punkt in Flensburg. Wer andere bei seiner Fahrt mit Sommerreifen behindert, muss mit 80 Euro Bußgeld plus einem Punkt rechnen, wer andere dabei gefährdet mit 100 Euro plus einem Punkt und wer sogar einen Unfall auf Sommerreifen verursacht, dem drohen 120 Euro Strafe und ein Punkt. Wer die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beim Winterreifen von 1,6 mm (Automobilclubs empfehlen für Winterreifen sogar mindestens 4 mm) unterschreitet, zahlt 60 Euro Strafe und bekommt ebenfalls einen Punkt. Im Umkehrschluss kann man aber eben auch mitten im Januar mit Sommerreifen unterwegs sein, vorausgesetzt, die Witterung lässt es zu (z.B. 10 Grad Celsius bei gleichzeitig trockener Straße ohne Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte).

Gibt es einen vorgeschriebenen Zeitraum für die Winterreifennutzung?

Früher gab es die Empfehlung, „von O bis O“, also von Oktober bis Ostern Winterreifen aufzuziehen. Mit der Einführung der situativen Winterreifenpflicht in Deutschland ist aber, anders als in einigen Nachbarländern, kein festgelegter Zeitraum hinzugekommen. Wenn also durch die Eisheiligen im Mai im Bergland noch einmal zu Eisglätte kommt, dann muss man auch im Mai mit der entsprechenden Winterbereifung unterwegs sein. Im Gegensatz dazu kann es auch im Oktober nochmal bis zu 20 Grad warm werden. Dann kann getrost noch mit Sommerreifen gefahren werden. Man sollte also stets den Wetterbericht im Auge haben und rechtzeitig vor einem Wintereinbruch die Bereifung wechseln.

Welche Reifen können im Winter gefahren werden?

Der Gesetzgeber und die Versicherungen akzeptieren nur noch Reifen als wintertauglich, wenn sie mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) auf der Reifenflanke ausgestattet sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob man reine Winterreifen oder Ganzjahresreifen mit dem entsprechenden Symbol aufgezogen hat. Das Alpine-Symbol ist der Nachweis, dass der Pneu die einheitlichen Prüfkriterien hinsichtlich auf Haftung auf nassen bzw. glatten Oberflächen erfüllt (siehe Regelung Nr. 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa, UNECE). Anders als beim früher noch gültigen Symbol M+S (für „mud + snow“, also „Matsch + Schnee“), welches gegen Ende seiner Laufbahn dann doch recht inflationär eingesetzt wurde, wird das Alpine-Symbol nur nach Bestehen eines Tests vergeben, in dem eine  überdurchschnittliche Traktion (mindestens 7 Prozent besser als ein Referenzreifen) auf Eis und Schnee nachgewiesen wurde. Dennoch dürfen die Reifen mit dem M+S-Symbol auch weiterhin noch mit einer Ausnahmegenehmigung im Winter gefahren werden. Das gilt für alle Neureifen mit diesem Symbol, die vor dem 31.12.2017 gefertigt wurden, also als DOT maximal 5217 aufgedruckt haben (52. Kalenderwoche, Jahr 2017). Reifen, welche diese Kriterien erfüllen, dürfen noch bis zum 30. September 2024 übergangsweise als Winterreifen verwendet werden.

Wer haftet bei einem Unfall?

Sowohl der Fahrzeugführer als auch der Fahrzeughalter sind für die Einhaltung der Winterreifenpflicht in Deutschland verantwortlich. Weiß ein Fahrzeughalter, dass bei seinem Fahrzeug keine Winterreifen aufgezogen sind und lässt die Fahrt des Fahrzeugführers dennoch zu oder ordnet sie sogar an, dann kann es sein, dass er ebenfalls, obwohl er selbst gar nicht gefahren ist, auch ein Bußgeld sowie einen Punkt in Flensburg kassiert. Wird Fahrlässigkeit nachgewiesen, dann kann die Kaskoversicherung erheblich ihre Leistungen kürzen und man bleibt auf einem Teil des Schadens sitzen. Wer bei glatten Straßen mit Sommerreifen unterwegs ist, muss auch bei der Haftpflichtversicherung mit erheblichen Konsequenzen rechnen. Ist man als Geschädigter bei einem Unfall mit Sommerreifen unterwegs so kann es passieren, dass man eine Teilschuld erhält.